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Fahren mit ungenügendem Abstand und Schikane Stopp

Aktualisiert: 4. Aug.

Der Vorwurf wegen Fahrens mit ungenügendem Abstand ist je nach dem mit empfindlichen rechtlichen Konsequenzen verbunden (Busse, Verwarnung, Führerausweisentzug etc.). In vorliegender Blog bringen wir Ihnen die Rechtslage sowie Rechtspraxis näher. Zweitens erfahren Sie mehr über die rechtlichen Verfahren und die Kosten, die Sie erwarten. Und am Schluss finden Sie unsere Kontaktangaben für den ersten Schritt, nämlich das Kennenlerngespräch mit der Prüfung der Sach- und Rechtslage. Wir wünschen viel Spass beim Lesen, damit Sie in Ihrer Situation zu mehr Klarheit kommen.



Wie jeder weiss, gilt es beim Hintereinander- oder Nachfahren, einen ausreichenden Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug einzuhalten. Diese in Art. 34 Abs. 4 SVG festgehaltene Vorschrift wird in Art. 121 VRV dahin verdeutlicht, dass der Abstand so gross sein muss, dass auch beim Bremsen des Vordermannes rechtzeitig angehalten werden kann. Ausreichend ist damit der Abstand nur dann, wenn auch bei einer Notbremsung hinter dem voranfahrenden Fahrzeug rechtzeitig, d.h. ohne Kollision und ohne Schleudern mit entsprechender Gefährdung anderer, angehalten werden kann. Es stellt sich in Hinblick auf die Gefährdung die Frage:


Wie gross muss der Abstand sein?

Im Allgemein, vor allem im Kolonnenverkehr, gilt die sogenannte «2-Sekunden-Regel», wonach ein zeitliches Intervall von 2 Sek. zum Vordermann eingehalten werden soll (abgezählt mit "einundzwanzig, zweiundzwanzig"). Das gleiche besagt die Regel, dass der Abstand (in Metern) ungefähr der halben Geschwindigkeit (in km/h) entsprechen («halber Tacho») soll, diese Distanz aber jedenfalls nicht unterschritten werden darf. Dieser halbe Tacho entspricht ungefähr der 2-Sekunden-Regel. Genau berechnet bedeutet halber Tacho ein Zeitintervall von 1,8 Sekunden. Darin enthalten ist der Reaktionsbedarf von ca. 1 Sekunde als Puffer für eine allfällige momentane Unaufmerksamkeit, für nicht volle Konzentration oder eigenes, etwas ungenügendes Bremsen. Mit diesem Puffer soll selbst bei einer unerwarteten Notbremsung des Vordermannes eine Auffahrkollision jedenfalls noch vermieden und rechtzeitig angehalten werden können. Soviel zur Theorie. Und was wenn die Anzeige ins Haus flattert...?


Beweisrecht – Hier kann anwaltschaftliche Präzisionsarbeit einsetzen

In der Schweiz gibt es keine Bestimmung, die in Hinblick auf die «Zwei-Sekunden-Regel» oder der «halbe-Tacho» besagt, dass der Abstand über eine bestimmte Dauer unterschritten sein muss. Dies bedeutet, dass bereits eine kurze Abstandsunterschreitung - wie z.B. bei einem Fahrstreifenwechsel mit Wiedereinbiegen – grundsätzlich strafbar ist.

Wie wir alle wahrscheinlich wissen, muss der Staat die Abstandsverletzung beweisen bzw. nachweisen können. In der Praxis werden sehr oft vermeintliche Abstandsverletzungen durch Polizisten oder Private zur Anzeige gebracht. Ihre Wahrnehmung gilt als Beweis. Alleine die persönlichen Wahrnehmungen z.B. von Polizisten können für eine Verurteilung ebenfalls ausreichen. Selbstredend können solche Aussagen aufgrund des subjektiven Charakters in einem allfälligen Gerichtsverfahren angefochten oder angezweifelt werden. In dieser Konstellation kann es sich lohnen, die Sach- und Rechtlage durch einen spezialisierten Rechtsanwalt prüfen zu lassen. Liegen jedoch Videoaufnahmen vor, kann der Abstand anhand der gemessenen Geschwindigkeit und von den Fahrstreifen nachgerechnet werden. Hier ist die Beweislage erdrückend, es passieren aber auch hier Fehler.

In der Praxis schauen die Polizisten meisten jedoch, ob der Abstand eine gewisse Zeitdauer unterschritten ist, bevor sie Anzeige erstatten, um dem Beweisrisiko vorzubeugen und auch ausschliessen zu können, dass nicht ein anderes Fahrzeug beim Streifenwechsel den Abstand verkürzt hat und somit keine Schuld vorliegt. Man kann als Autolenker in solchen Konstellationen ja keine Vollbremsung reissen, um nicht hintere Lenker zu gefährden.


Abstandsfotos durch Kameras

Hat man nur ein Bild mit einer Zustandsmessung durch eine Abstandskamera, wie das in der Praxis immer häufiger vorkommt, so kann es hilfreich sein, die näheren Strassenverhältnisse zu umschreiben. An sich könnte die Abstandberechnung angefochten werden beim Eidgenössisches Institut für Metrologie (METAS). In der Rechtsrealität ist dann der effektive Abstand aber praktisch immer noch grösser, da bei einer ganz exakten Messung Toleranzabzüge wegfallen, verständlich oder? Hier kann es hilfreich sein, den Sachverhalt von einem Anwalt überprüfen zu lassen.


Massenkollisionen

Auffahrkollisionen ereignen sich insbesondere immer wieder auf Autobahnen und sie arten dann oft ın Massenkollisionen aus. Auch das ist zweifelsohne ungenügendem Abstandhalten zuzuschreiben. Es ist ein seltsames Phänomen, dass speziell ın Doppelkolonnen nur noch ein minimaler Abstand eingehalten wird. Wahrscheinlich hängt das mit fehlerhafter Einschätzung der Lage zusammen. Der Automobilist sieht, was an sich natürlich ist, die Gefahr in erster Linie bei den Fahrzeugen der Kolonne nebenan. Zu dieser hat seine Kolonne aber meist nur eine geringe Differenzgeschwindigkeit von vielleicht 20 km/h (die * linke Kolonne fährt mit ca. 110 km/h und die rechte mit 90 km/h).


Brüskes Bremsen

Bremsen auf freier Strecke muss so sanft wie möglich und unter tunlichster Rücksichtnahme auf den nachfolgenden Verkehr geschehen (Art. 37 Abs. 1 SVG). Brüskes Bremsen und Halten sind grundsätzlich nur im Notfall gestattet (Art. 12 Abs. 1 VRV). So wurde eine Automobilistin, die wegen auf der Strasse auftauchender Tiere plötzlich scharf bremste, worauf der nachfolgende Lenker auffuhr, freigesprochen (BGE 115 TV 250). Ebenso hatte der Automobilist, der, weil er von einem Entgegenkommenden geblendet wurde, relativ scharf abbremste, Art. 12 Abs. 1 VRV nicht verletzt. Mithin könnte auch demjenigen kein Vorwurf gemacht werden, der z. B. wegen auf die Strasse springender Kinder eine Notbremsung einleitet. Oder das tut, weil er ausgangs einer Kurve plötzlich einen umgefallenen Baum oder ein anderes Hindernis auf der Strasse sieht; das selbst dann, wenn er diesem Hindernis vielleicht hätte ausweichen können.


Zum Schikane Stopp

Art. 37 Abs. 1 SVG auferlegt dem Vordermann zwar auch die Pflicht, nach Möglichkeit auf die nachfolgenden Fahrzeuge Rücksicht zu nehmen. Das bezieht sich aber vorab auf das Anhalten (BGE 117 IV 504) und bedeutet im Wesentlichen nur, dass nicht ohne Not stark und überraschend abgebremst werden soll. Verboten ist hingegen der sogenannte Schikane Stopp, d.h. unmotiviertes brüskes, unnötig scharfes Bremsen aus Böswilligkeit (BGE 117 IV 504, 99 IV 100). Solches liegt z.B. vor, wenn der Überholende aus Ärger darüber, dass ihn der Vordermann gesperrt hatte, unmittelbar nach dem Überholmanöver einschwenkt und abbremst, um dem Sperrenden eine Lektion zu erteilen. Anmerkung: Zulässig ist dagegen, einen Nachfolgenden, der zu nahe aufgeschlossen ist, durch mehrmaliges Antippen der Bremsen zu warnen (BGE 99 IV 100, 81 IV 51). Das darf aber nur unter mässigem, nur unwesentlichem Abbremsen geschehen. Wichtig: Wesentlich für den Entscheid, ob Art. 12 Abs. 2 VRV verletzt ist, ist somit die Frage, ob der Nachfolgende grundlos gefährdet wurde und der Bremsende darum wusste oder wissen musste (BGE 117 IV 504).

Wir hoffen, Sie konnten aus vorliegendem Blog nützlich Informationen entnehmen und abschätzen, ob Sie eine anwaltschaftliche Vertretung benötigen. Oft hilft ja bereits die Abklärung der Sach- und Rechtslage um Gewissheit zu erlangen, ob sich ein Rechtsmittel zur Abwehr der Sanktionen lohnt oder nicht. Gerne stehe ich Ihnen mit meiner 13-jährigen Berufserfahrung im Strassenverkehrsrecht zur Verfügung. Profitieren Sie von dieser Erfahrung und es ist einfach:


Vereinbaren Sie ein Gesprächstermin oder schicken Sie uns die Unterlagen mit dem Auftrag zur Abklärung der Sach- und Rechtslage. Das ist in aller Regel mit ein bis zwei Stunden Aufwand verbunden. Gerne klären wir Sie über alle wesentlichen Punkte sowie das rechtliche Verfahren auf.


Vorsicht: Strafbefehle müssen mit einer Einsprache innert 10 Tagen angefochten werden. Gerne übernehmen wir das auf Wunsch für Sie.


lic. iur. Oliver Streiff, Rechtsanwalt in Glarus, Freienbach SZ und Zürich, Experte in Strassenverkehrsrecht

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